Stichwort: Herbert Eklöh. Ganz unumstritten ist der Mann nicht, aber ihm ist es in weiten Teilen zu verdanken, dass wir heute genauso einkaufen, wie wir es gewohnt sind: autonom, mit dem Einkaufswagen und auf großen Ladenflächen. Bekannt geworden ist dieses Konzept seinerzeit als Selbstbedienungsladen.
Das erste Geschäft dieser Art eröffnete Eklöh 1938 in Osnabrück – damals allerdings noch erfolglos. Die Kundschaft war es zu sehr gewohnt, ihre Wünsche an der Theke zu äußern und sich die Waren vom Personal geben zu lassen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg sollte sich das ändern: Mit wachsendem Wohlstand und breiterem Sortiment setzte sich die Selbstbedienung zunehmend durch.
Warum erzählen wir das? Natürlich, um dich für das Thema dieses Beitrags zu sensibilisieren. Denn im B2B-E-Commerce findet gerade eine sehr ähnliche Transformation statt: Der klassische B2B-Shop reicht vielen Unternehmen nicht mehr aus. Händlerportale, die der Kundschaft deutlich mehr Unabhängigkeit bieten, lösen ihn zunehmend ab.
Doch woran erkennst du, ob dein Unternehmen ein Händlerportal braucht? Welche Funktionen sind sinnvoll, was lässt sich mit Shopware umsetzen, wie gelingt die Anbindung an deine bestehenden Systeme? Und nicht zuletzt: Wie sorgst du dafür, dass deine Kunden das Portal auch tatsächlich nutzen?
Fangen wir mit den Grundlagen an:
Was unterscheidet einen B2B-Shop eigentlich von einem Händlerportal?
Ein B2B-Shop und ein Händlerportal verfolgen zunächst dasselbe Ziel: Geschäftskunden die Zusammenarbeit mit deinem Unternehmen zu erleichtern. Der Unterschied zwischen den beiden Systemen findet sich vor allem darin, wie weit sie dabei über den eigentlichen Kaufprozess hinausgehen.

Aufgepasst: Die Übergänge zwischen B2B-Shop und Händlerportal sind fließend. Natürlich gibt es Onlineshops, die auch Reklamationen oder komplexe Freigabeprozesse abbilden können. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung des Systems, sondern sein Funktionsumfang. Ein Händlerportal bündelt zusätzliche Abläufe und macht sie zu einem integrierten Bestandteil der digitalen Kundenbeziehung, anstatt sie über separate Kanäle und Systeme abzuwickeln.
Direkt im Anschluss stellt sich die Frage:
Woran erkennst du, ob dein Unternehmen ein Händlerportal braucht?
Ob sich ein Händlerportal für dein Unternehmen lohnt, hängt von deinen Abläufen und den Bedürfnissen deiner Kunden ab. Mit einigen zentralen Fragen kannst du das Für und Wider abwägen und damit einschätzen, wo Self-Service tatsächlich einen Mehrwert bietet.
- Wie hoch ist das Anfragevolumen? Wie oft melden sich Kunden mit Fragen, die sie grundsätzlich selbst beantworten könnten?
- Wie viel manuelle Arbeit fällt an? Müssen Mitarbeitende Daten übertragen, Informationen zusammensuchen oder Vorgänge mehrfach bearbeiten?
- Wo entstehen Wartezeiten und Fehler? Bleiben Reklamationen liegen, sind Konditionen unklar oder fehlen Informationen zum Bestellstatus?
- Wie gut lassen sich deine Abläufe skalieren? Kannst du mehr Kunden bedienen, ohne dass der Aufwand im Vertrieb und Service im gleichen Maße steigt?
- Wie viel Mehrwert hätte Self-Service für deine Kunden? Würden sie bestimmte Aufgaben lieber selbst erledigen, statt auf eine Rückmeldung zu warten?
- Lassen sich die betreffenden Abläufe sinnvoll digitalisieren? Sind die nötigen Daten und Prozesse vorhanden, oder müsstest du erst größere Baustellen in deiner Systemlandschaft angehen?
Beachte dabei: Bei wenigen Bestellungen, überschaubaren Abläufen und kaum wiederkehrenden Serviceanfragen kann ein gut aufgestellter B2B-Shop völlig ausreichen.
Ein Portal ist kein Selbstzweck. Es soll konkrete Engpässe beseitigen und keine neue Komplexität erzeugen – was uns direkt zur nächsten Frage führt:
Welche Funktionen sollte dein Händlerportal bieten?
Wie so oft gilt: Eine Universallösung gibt es nicht. Welche Funktionen dein Händlerportal bieten sollte, hängt von deinem Geschäftsmodell, deinen Kunden und den Abläufen in deinem Unternehmen ab. Was für einen Großhändler mit vielen wiederkehrenden Bestellungen wichtig ist, kann für einen Hersteller mit erklärungsbedürftigen Produkten zweitrangig sein – und umgekehrt.
Damit du einschätzen kannst, was für dich sinnvoll ist, zeigen wir dir vier zentrale Anwendungsbereiche sowie die Möglichkeiten, die ein Händlerportal jeweils bietet.
Bestellungen vereinfachen
Viele B2B-Kunden bestellen regelmäßig dieselben Produkte. Sie wollen nicht bei jeder Bestellung erneut durch den Katalog navigieren oder Artikel einzeln zusammensuchen.
- Bestellungen wiederholen: Frühere Bestellungen lassen sich mit wenigen Klicks erneut in den Warenkorb legen.
- Schnellbestellung nutzen: Kunden geben Artikelnummern und Mengen direkt ein, statt sich durch Kategorien zu klicken.
- Größere Bestellungen importieren: Bei umfangreichen Warenkörben können CSV- oder Excel-Importe die manuelle Eingabe ersetzen.
Gerade bei wiederkehrenden Bestellungen liegt viel Potenzial: Das spart Zeit auf Kundenseite und reduziert den Aufwand für Vertrieb und Auftragsbearbeitung.
Service digital abbilden
Nicht jede Kundenanfrage betrifft eine Bestellung. Gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten entstehen Fragen zu Anwendung, Wartung, Reklamationen oder Ersatzteilen.
- Wissen selbst abrufen: Anleitungen, technische Dokumentationen und Antworten auf häufige Fragen sind zentral verfügbar.
- Servicefälle bearbeiten: Kunden melden Reklamationen oder technische Probleme direkt im Portal und können bei Bedarf Dokumente oder Fotos ergänzen.
- Passende Ersatzteile finden: Explosionszeichnungen oder produktspezifische Ersatzteillisten helfen dabei, das richtige Teil zu identifizieren.
Wichtig ist, dass das Portal nicht einfach nur ein weiteres Kontaktformular bereitstellt. Es sollte wiederkehrende Servicefälle tatsächlich vereinfachen und komplexere Anliegen gezielt an die zuständigen Mitarbeitenden weiterleiten.
Verträge und Konditionen transparent machen
Im B2B-Geschäft existieren häufig individuelle Vereinbarungen. Kunden müssen beispielsweise wissen, welche Preise für sie gelten, wie viel ihres Vertragskontingents noch verfügbar ist oder welche Konditionen für eine bestimmte Bestellung greifen.
- Individuelle Konditionen anzeigen: Kunden sehen die für sie vereinbarten Preise und Rabatte.
- Vertragskontingente verwalten: Vereinbarte Mengen, bereits abgerufene Waren und Restkontingente sind nachvollziehbar.
- Lieferstatus einsehen: Kunden können nachvollziehen, wo sich ihre Bestellung befindet, ohne beim Vertrieb nachfragen zu müssen.
Solche Funktionen sind besonders interessant, wenn viele individuelle Vereinbarungen gelten und deren Verwaltung regelmäßig Rückfragen auslöst. Voraussetzung ist, dass die zugrunde liegenden Daten zuverlässig verfügbar sind.
Komplexe Kundenstrukturen abbilden
Ein Unternehmenskunde ist nicht immer eine einzelne Person, die für eine einzelne Firma bestellt. Bei Handelsketten, Filialbetrieben oder Hotelgruppen müssen häufig mehrere Standorte, Ansprechpartner und Zuständigkeiten berücksichtigt werden.
- Standorte und Konten zuordnen: Bestellungen und Konditionen lassen sich den jeweiligen Niederlassungen oder Gesellschaften zuweisen.
- Rollen und Rechte vergeben: Mitarbeitende erhalten nur Zugriff auf die Funktionen und Informationen, die sie für ihre Aufgaben benötigen.
- Freigaben und Budgets steuern: Bestellungen können an interne Genehmigungen oder Kostenstellen gebunden werden.
Je komplexer die Kundenorganisationen sind, desto wichtiger wird diese Ebene. Sie verhindert, dass ein Händlerportal lediglich den bisherigen Bestellprozess digital abbildet, während die eigentliche Verwaltungsarbeit weiterhin manuell anfällt.
Damit steht nun fest, welche Aufgaben ein Händlerportal übernehmen kann. Aber was davon lässt sich mit Shopware umsetzen und wo braucht es Erweiterungen oder individuelle Entwicklung?
Händlerportal mit Shopware: Was geht im Standard, was benötigt individuelle Lösungen?
Mit Shopware lässt sich so gut wie jede Funktion für ein Händlerportal realisieren. Die Frage ist deshalb meist nicht, was technisch möglich ist, sondern welche Lösung sich für dein Unternehmen wirtschaftlich rechnet.
In einem realen Projekt prüfen wir deshalb, was sich mit den vorhandenen Shopware-Funktionen und einer passenden Konfiguration umsetzen lässt. Erst wenn das nicht ausreicht, sprechen wir über Erweiterungen oder individuelle Entwicklung. Schließlich kostet jede Sonderlösung nicht nur Geld bei der Umsetzung, sondern kann auch Wartung und spätere Updates aufwendiger machen.
Für dich als Übersicht:

*Die B2B Components sind modular aufgebaut und stehen in den Shopware-Plänen Evolve und Beyond zur Verfügung. Welche Funktionen du konkret nutzen kannst, hängt vom gewählten Plan ab.
Als Fazit: Shopware 6 bietet insbesondere für KMU eine zukunftsfähige Grundlage für den Aufbau eines Händlerportals. Mit den B2B Components lässt sich der Funktionsumfang bedarfsgerecht erweitern, ohne dass du typische B2B-Funktionen von Grund auf neu entwickeln musst.
Wie gut das Zusammenspiel mit deinen bestehenden Systemen funktioniert, hängt unter anderem von der Datenstruktur und den verfügbaren Schnittstellen ab.
ERP, CRM, PIM: Wie bindest du dein Händlerportal an bestehende Systeme an?
Ein Händlerportal ist nur so hilfreich wie die Daten, mit denen es arbeitet. Preise, Bestände, Kundendaten und Produktinformationen müssen aktuell und konsistent sein. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten: Welches System führt welche Daten, und wie gelangen sie ins Portal?
Welche Systeme liefern welche Daten?
Je nach Unternehmen spielen unterschiedliche Systeme zusammen. Unsere Übersicht zeigt dir die typischen Aufgaben der wichtigsten Systeme:

Dabei ist die Zuordnung natürlich nicht starr. Kundendaten können beispielsweise im ERP oder CRM liegen, während Produktinformationen im PIM gepflegt werden. Entscheidend ist die Datenhoheit: Für jede Datenart sollte klar sein, welches System maßgeblich ist. Sonst entstehen schnell widersprüchliche Angaben; etwa, wenn ein Kunde im Portal andere Konditionen sieht als die, die im ERP hinterlegt sind. In der Praxis empfiehlt es sich, die Software als führend festzulegen, mit der die Process Owner tatsächlich arbeiten.
Wie kommen die Daten ins Portal?
Damit die Systeme zusammenarbeiten, müssen sie ihre Daten auch austauschen. Welche Lösung dafür sinnvoll ist, hängt von den beteiligten Systemen, den Anforderungen an die Aktualität und den jeweiligen Prozessen ab.

Vor der Umsetzung sollte feststehen, welche Daten das Portal benötigt, woher sie kommen und wie aktuell sie sein müssen. Das schafft eine belastbare Grundlage für die technische Planung und hilft, unnötige Schnittstellen und Kosten zu vermeiden.
Wie planst du dein Händlerportal, ohne dich finanziell zu verzetteln?
Ein Händlerportal ist eine Investition, die sich rechnen soll. Damit das gelingt, brauchst du einen klaren Plan: Welche Probleme willst du lösen, welche Funktionen sind nötig und welcher Aufwand steckt dahinter? Drei Schritte helfen dir dabei:
1. Anforderungen klären, bevor du entwickelst
Bevor du über konkrete Funktionen entscheidest, solltest du die Abläufe in deinem Unternehmen unter die Lupe nehmen:
- Probleme identifizieren: Wo entstehen unnötige Rückfragen, manuelle Arbeit oder lange Wartezeiten?
- Funktionen priorisieren: Welche Aufgaben soll das Portal übernehmen, und was bringt deinen Kunden tatsächlich einen Mehrwert?
- Umsetzung prüfen: Was lässt sich mit Shopware und den B2B Components abdecken, wo sind Erweiterungen nötig?
So vermeidest du, Funktionen zu entwickeln, die im Alltag kaum einen Nutzen bieten.
2. Aufwand und laufende Kosten berücksichtigen
Die Entwicklung ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Auch diese Faktoren gehören in die Rechnung:
- Lizenzen und Erweiterungen: Welche laufenden Gebühren fallen an?
- Systemanbindungen: Wie aufwendig ist die Integration deiner bestehenden Software?
- Wartung und Weiterentwicklung: Welche Kosten entstehen nach dem Start?
Der Aufwand hängt unter anderem von deinen bestehenden Systemen, der Qualität deiner Daten und der Komplexität deiner Prozesse ab. Deshalb kann es sinnvoll sein, mit einem klar abgegrenzten Funktionsumfang zu starten und das Portal später gezielt auszubauen.
3. Mit einer Discovery Klarheit schaffen
In einer Discovery untersuchst du gemeinsam mit einer erfahrenen Agentur (zum Beispiel mit uns), wie Anforderungen, Prozesse und technische Möglichkeiten zusammenpassen. Das Ergebnis schafft eine belastbare Grundlage für die weitere Planung:
- Prozesse und Anforderungen analysieren
- Systemlandschaft und Schnittstellen prüfen
- Umsetzungskonzept und Aufwand einschätzen
- Kosten und erwarteten Nutzen gegenüberstellen
So kannst du fundiert entscheiden, ob sich das Vorhaben lohnt und wie du es angehen solltest.
Aber selbst ein gut geplantes Händlerportal bringt wenig, wenn deine Kunden und/oder dein Team es nicht nutzen. Deshalb kommt es bei der Einführung auch darauf an, sie frühzeitig einzubeziehen und ihnen den Mehrwert des Self-Service zu vermitteln.
Wie bringst du deine Kunden dazu, das Händlerportal tatsächlich zu nutzen?
Ein Händlerportal entfaltet seinen Nutzen erst, wenn es im Alltag ankommt. Dafür reicht es nicht, dein Team vor vollendete Tatsachen zu stellen und den Kunden einen Link zu schicken. Beide Seiten müssen verstehen, warum sich der Wechsel für sie lohnt.
Das eigene Team frühzeitig einbeziehen
Wenn Kunden künftig selbst bestellen, Konditionen einsehen oder den Lieferstatus prüfen, kann das bei Mitarbeitenden die Sorge auslösen, dass ihre Arbeit an Bedeutung verliert. Gerade im Außendienst, wo persönliche Beziehungen zum Kunden entscheidend sind, kommt es oft zu Reibung.
Ein Händlerportal soll den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Es übernimmt vor allem Routineaufgaben, die für Vertrieb und Kundenservice bislang viel Zeit kosten, deren Aufwand für die Kundschaft aber kaum sichtbar ist. So bleibt mehr Zeit für Beratung, individuelle Lösungen und den Ausbau der Geschäftsbeziehungen.
Achte daher insbesondere auf:
- Bedenken ernst nehmen: Sprich offen darüber, wie sich Aufgaben und Zuständigkeiten verändern und was das für die einzelnen Mitarbeitenden bedeutet.
- Rollen gemeinsam klären: Welche Aufgaben können Kunden künftig selbst erledigen? Wo bleiben persönlicher Kontakt, Beratung und die Erfahrung des Außendienstes unverzichtbar?
- Vorteile konkret machen: Zeige, wie das Portal Rückfragen und Routineaufgaben reduziert und dadurch mehr Zeit für die Kundenbetreuung schafft.
Je früher du dein Team einbeziehst, desto eher kann es das Portal als Unterstützung verstehen und seinen Kunden den Mehrwert überzeugend vermitteln.
Kunden schrittweise an das Portal heranführen
Gerade langjährige Geschäftskunden ändern nicht automatisch ihre Gewohnheiten. Wer zeitlebens telefonisch bestellt hat, wird nicht allein deshalb damit aufhören, weil es jetzt ein Portal gibt.
- Mit ausgewählten Kunden testen: Betatests mit Pilotgruppen helfen dir herauszufinden, welche Funktionen tatsächlich gebraucht werden und wie das neue Portal wirklich ankommt.
- Den Einstieg erleichtern: Erkläre die wichtigsten Funktionen anhand konkreter Anwendungsfälle und zeige deinen Kunden, wie sie typische Aufgaben im Portal Schritt für Schritt erledigen.
- Zur Nutzung motivieren: Verweise bei passenden Anfragen auf die Self-Service-Funktionen und mache deutlich, wie Kunden damit Wartezeiten vermeiden und Routineaufgaben selbst erledigen können.
- Erfolge messen: Prüfe nach dem Start, ob Rückfragen zum Bestellstatus zurückgehen, Bestellungen häufiger selbst ausgelöst werden oder Kunden andere Vorgänge zunehmend eigenständig erledigen.
So praktisch Self-Service also auch ist: B2B bleibt ein People Business. Ein Händlerportal soll deinen Kunden mehr Freiheit geben, ohne den persönlichen Kontakt zu verdrängen. Denn wenn es um Beratung, Vertrauen und individuelle Lösungen geht, zählen nicht Technologie und digitalisierte Prozesse, sondern immer die Menschen dahinter.
Beispiele aus der Praxis: Was ein Händlerportal leisten kann
Grau ist alle Theorie. Wie ein Händlerportal in der Praxis aussieht, hängt immer davon ab, welche Herausforderungen ein Unternehmen und seine Kunden bewältigen müssen. Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich solche Lösungen aussehen können.
Witty: Wenn der Vertrag direkt im Warenkorb steckt
Witty liefert Reinigungs- und Hygienelösungen für gewerbliche Küchen, Schwimmbäder und Hotels. Das Geschäft ist alles andere als simpel: Großkunden vereinbaren jährliche Abnahmemengen und individuelle Rabatte. Ein Einkäufer betreut womöglich mehrere Hotels oder Schwimmbäder mit unterschiedlichen Konditionen. Dazu kommen Kostenstellen, verschiedene Gebindegrößen und die Frage, wie viel vom vereinbarten Vertragsvolumen noch übrig ist.
All diese Informationen liegen bei Witty im ERP-System Navision. Früher mussten Kunden vieles telefonisch, per E-Mail oder Fax klären: Wie viel Vertragsvolumen ist noch offen? Welche Konditionen gelten für diesen Standort? Auch der Außendienst war mit solchen Rückfragen beschäftigt, obwohl er seine Zeit eigentlich für Beratung, Anlagenprüfungen und Tests vor Ort braucht.
Vom Vertrag bis zur Bestellung alles im Blick
Das Händlerportal bringt die Vertragsdaten direkt in den Einkaufsprozess. Kunden sehen ihre vereinbarten Mengen und können nachvollziehen, wie viel davon noch verfügbar ist. Legen sie Produkte in den Warenkorb, wird die Bestellung automatisch auf das Vertragsvolumen angerechnet. Auch wenn das Kontingent ausgeschöpft ist, lässt sich das im Prozess berücksichtigen.
Damit bildet das Portal einen Teil der Vertragslogik online ab, die zuvor nur intern verfügbar war. Kunden behalten den Überblick über ihre Einkäufe, während Vertrieb und Innendienst weniger Rückfragen und manuelle Abstimmungen erledigen müssen. So wird aus einem Onlineshop ein Werkzeug, das auch die komplexen Abläufe hinter dem Einkauf abbildet.
HUMAN Biochemica: Selbsthilfe, wenn der Servicetechniker weit weg ist
HUMAN Biochemica stellt medizinische Diagnosesysteme her, darunter Geräte für die Blutanalyse. Sie kommen auch in abgelegenen Regionen zum Einsatz, in denen es weder einen Datenhighway noch eine Servicewerkstatt in der Nähe gibt. Wenn ein Analysegerät dort ausfällt, hilft meist nur: selber lösen.
Genau darauf ist das Portal ausgelegt. Es benötigt möglichst wenig Datenvolumen und verzichtet bewusst auf Bilder und andere datenintensive Inhalte. Über die Seriennummer gelangen Nutzer zu passenden FAQs. Anschließend führt sie ein Frage-Antwort-Prozess Schritt für Schritt durch bekannte Fehlerquellen. Sogar Firmware-Updates lassen sich über das Portal vornehmen. So lässt sich manches Problem direkt vor Ort beheben, ohne auf externe Hilfe warten zu müssen.
Von der Fehlersuche bis zum Servicefall
Erst wenn die Selbsthilfe nicht ausreicht, können Nutzer Fotos und weitere Informationen übermitteln. Daraus entsteht ein Servicefall, der direkt mit dem CRM verknüpft ist. Die weitere Bearbeitung läuft im Hintergrund über die zuständigen Systeme. Für den Kunden bleibt der Vorgang im Portal nachvollziehbar – inklusive Chat, Dokumenten und Downloads. Auch Informationen zu Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien sind dort verfügbar.
So verbindet das Portal Fehlersuche, Service und Produktversorgung in einem einzigen Prozess, der auch unter widrigen Bedingungen funktioniert: Erst Hilfe zur Selbsthilfe, dann gezielte Unterstützung durch den Service. Das Portal ist damit weit mehr als eine digitale Reklamationsstelle. Es orientiert sich konsequent daran, was Nutzer vor Ort tatsächlich brauchen.
Ein Händlerportal ist mehr als ein Onlineshop
Ein Händlerportal geht also weit über den Bestellprozess hinaus: Es macht Verträge und Konditionen transparent, vereinfacht Serviceabläufe und hilft Kunden dabei, Probleme selbst zu lösen. Mit Shopware lassen sich viele dieser Funktionen umsetzen. Welche davon sinnvoll sind, hängt von den Abläufen im Unternehmen, den vorhandenen Systemen und den Bedürfnissen der Kunden ab.
Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viele Funktionen zu entwickeln, sondern die richtigen. Ein gut geplantes Händlerportal nimmt Routinearbeit ab und schafft Freiräume für das, was sich nicht automatisieren lässt: persönliche Beratung und gute Geschäftsbeziehungen.
Wie unterschiedlich solche Lösungen in der Praxis aussehen können, zeigen unsere bisherigen Shopware-Projekte. Dort findest du Beispiele aus verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichen Anforderungen. Wenn du dich darüber hinaus mit deinem E-Commerce beschäftigen möchtest, findest du bei uns auch Unterstützung für viele weitere Themen.
Denn schließlich dürfte schon Herr Eklöh gewusst haben: Selbstbedienung heißt nicht, dass du alles alleine machen musst.
FAQ: Häufige Fragen zu Händlerportalen auf Shopware
Was ist der Unterschied zwischen einem B2B-Shop und einem Händlerportal?
Ein B2B-Shop bildet vor allem den digitalen Kaufprozess ab: Kunden können Produkte auswählen, bestellen und ihre Aufträge verwalten. Ein Händlerportal geht darüber hinaus und bündelt weitere Prozesse wie Vertragsverwaltung, Serviceanfragen, technische Dokumentationen oder interne Bestellfreigaben.
Wann lohnt sich ein Händlerportal?
Ein Händlerportal lohnt sich vor allem, wenn viele wiederkehrende Anfragen, manuelle Arbeitsschritte oder komplexe Vertragsstrukturen den Alltag erschweren. Es kann Kunden mehr Selbstständigkeit ermöglichen und Vertrieb sowie Kundenservice entlasten. Bei wenigen Bestellungen und überschaubaren Abläufen kann ein gut aufgestellter B2B-Shop dagegen ausreichen.
Welche Funktionen sollte ein Händlerportal bieten?
Das hängt von deinem Geschäftsmodell und den Bedürfnissen deiner Kunden ab. Häufig sinnvoll sind Schnellbestellungen, individuelle Preise und Vertragskontingente, der Zugriff auf Bestellstatus und Dokumente sowie digitale Serviceprozesse. Bei komplexen Kundenstrukturen können außerdem Rollen, Rechte, Kostenstellen und Bestellfreigaben wichtig sein.
Lässt sich ein Händlerportal mit Shopware umsetzen?
Ja. Shopware 6 bietet eine flexible Grundlage, die sich mit den B2B Components, Erweiterungen und individuellen Entwicklungen ausbauen lässt. Welche Funktionen ohne zusätzliche Entwicklung möglich sind, hängt unter anderem vom gewählten Shopware-Plan und den konkreten Anforderungen ab.
Was kostet die Entwicklung eines Händlerportals?
Die Kosten hängen vom Funktionsumfang, der bestehenden Systemlandschaft und dem Aufwand für Schnittstellen und Datenaufbereitung ab. Auch Wartung und spätere Weiterentwicklung sollten in die Planung einfließen. Eine strukturierte Anforderungsanalyse oder Discovery hilft dabei, den Aufwand realistisch einzuschätzen und die Funktionen nach ihrem tatsächlichen Nutzen zu priorisieren.