B2B Self-Service mit Shopware: So wird aus deinem Großhandels-Shop ein digitales Kundenportal

Na, gehörst du auch zu den Glücklichen, die in letzter Zeit ihren Führerschein erneuern lassen mussten? Falls ja, wie lief das bei dir? Wir raten mal: Wahrscheinlich konntest du deinen Termin bei der Kfz-Behörde online buchen. Dann musstest du dir einen halben Tag Urlaub nehmen, persönlich beim Amt erscheinen und konntest deinen neuen Lappen ein paar Wochen später auch dort abholen. Porto ist schließlich teuer.

Gleichzeitig saß irgendwo ein Niederländer oder eine Dänin bequem auf ihrem Platz und hat den Führerschein einfach komplett online angefordert. Rein ins Portal, kurz elektronisch ausweisen, Bild hochladen – viel mehr braucht es nicht – in der Mittagspause, nach Feierabend oder im Citybus. Und weil sich kein Sachbearbeiter mit solchen Trivialitäten rumschlagen muss, bleibt sogar genug Geld übrig, um die Fahrerlaubnis als versicherten Brief zu verschicken.

Mit dieser lebensnahen Anekdote sollten wir dich jetzt mental auf diesen Beitrag eingestimmt haben, denn der dreht sich unter anderem um den Unterschied zwischen einem B2B-Shop (ein bisschen was geht online) und einem echten B2B-Self-Service-Portal (viel mehr geht online).

Da das allein aber nicht sonderlich hilfreich wäre, gehen wir natürlich auch in die Praxis und beantworten Fragen wie: Welche Möglichkeiten bietet Shopware, um B2B-Self-Service zu realisieren? Reichen die Bordmittel für jeden einzelnen Fall? Wie sieht eine gute Umsetzung aus? Und wie misst man eigentlich den Erfolg?

Den Einstieg ins Thema finden wir aber mit einer Frage zu den Basics:

Warum schafft ein B2B-Shop allein noch keinen Self-Service und was bedeutet das eigentlich?

Wie sieht ein typischer B2B-Store aus? Kunden können sich einloggen, Produkte suchen, vielleicht sogar individuell ausgehandelte Preise sehen oder ihren letzten Einkauf abrufen und wiederholen und final ihre Bestellung abschicken. Das ist alles sinnvoll und praktisch – aber im Arbeitsalltag benötigen sie früher oder später trotzdem Unterstützung durch einen Mitarbeiter.

Zum Beispiel, weil sie über den Preis eines größeren Auftrags verhandeln möchten. Oder weil sie nach einem Ersatzteil suchen, das sie zuvor noch nie bestellt haben. Oder auch, weil ihre Bestellung innerhalb ihres Unternehmens mehrstufige Freigabeprozesse erfordert. Aus dem digitalen Einkauf werden so schnell wieder eine E-Mail, ein Telefonat und manuelle Arbeit im Hintergrund.

Ein B2B-Self-Service-Portal geht einen deutlichen Schritt weiter: Es ermöglicht Kunden, nicht nur Produkte zu bestellen, sondern einen größeren Teil ihrer Geschäftsbeziehung selbstständig zu verwalten. Dazu können unter anderem gehören:

  • Mitarbeiter, Rollen und Bestellfreigaben innerhalb der eigenen Organisation verwalten
  • Angebote digital anfragen, prüfen und bearbeiten, wenn ein Auftrag individuelle Konditionen erfordert
  • Bestell-, Liefer- und Dokumenteninformationen selbstständig abrufen
  • Budgets und Ausgaben für einzelne Abteilungen, Standorte oder Mitarbeiter verwalten

Der Unterschied lässt sich also wie folgt zusammenfassen: Ein B2B-Shop digitalisiert den Einkauf. Ein B2B-Self-Service-Portal digitalisiert darüber hinaus die Prozesse rund um die Geschäftsbeziehung. Das Ergebnis sind effizientere und performantere Prozesse, weniger manueller Aufwand, eine höhere Servicequalität und mehr Freiraum für die Mitarbeiter.

Lesetipp: EDI-Schnittstelle für den E-Commerce auf Shopware – Warum eine alte Technologie auch für moderne B2B-Self-Service-Portale oft unverzichtbar ist.

In die Praxis: Welche B2B-Prozesse lassen sich mit Shopware abbilden?

Self-Service-Portale können also einiges bewegen. Shopware bietet dafür eine solide Grundlage, denn als etablierte Commerce-Lösung im deutschen Mittelstand bringt das System zahlreiche Funktionen für komplexe B2B-Geschäftsprozesse bereits mit. Unternehmen können damit viele Abläufe digitalisieren, ohne für jede Anforderung eine eigene Anwendung entwickeln zu müssen.

Dazu gehören etwa:

  • Unternehmensstrukturen und Zugriffsrechte verwalten: Abteilungen, Standorte und Mitarbeiter lassen sich mit unterschiedlichen Rollen und Berechtigungen abbilden. So erhält jeder Nutzer genau die Zugriffsrechte, die er für seine Aufgaben benötigt.
  • Bestellungen kontrolliert freigeben: Abhängig von Bestellwert, Rolle oder Organisationseinheit können Aufträge unterschiedliche Freigabeprozesse durchlaufen. Das bildet interne Einkaufsrichtlinien digital ab und reduziert manuelle Abstimmungen.
  • Individuelle Preise und Sortimente bereitstellen: Kunden sehen die Produkte und Konditionen, die für ihr Unternehmen vereinbart wurden. Individuelle B2B-Vereinbarungen werden damit direkt im digitalen Einkauf berücksichtigt.
  • Angebote digital verwalten: Kunden können Angebote aus dem Portal heraus anfragen, prüfen und bearbeiten. Auch bei individuellen Konditionen bleibt der Prozess so digital nachvollziehbar.
  • Budgets und Ausgaben steuern: Budgets können bestimmten Mitarbeitern, Abteilungen oder anderen Organisationseinheiten zugeordnet werden. Bestellungen lassen sich so direkt an interne Vorgaben und Ausgabenlimits koppeln.
  • Informationen und Dokumente selbst abrufen: Bestell- und Lieferinformationen sowie relevante Dokumente stehen dem Kunden direkt im eigenen Zugang zur Verfügung. Rückfragen zu Standardinformationen werden dadurch überflüssig.

Lesetipp: Shopware als B2B-Plattform für Hersteller und Großhandel – Warum sich die Plattform so gut für anspruchsvollen B2B-Commerce eignet.

Shopware bildet also schon einen erheblichen Teil der Dinge ab, die aus einem klassischen B2B-Shop ein echtes Self-Service-Portal machen. Die nächste Frage lautet daher:

Wie setzt Shopware diese B2B-Prozesse technisch um?

Für die verschiedenen B2B-Prozesse stellt Shopware dir unterschiedliche Werkzeuge zur Verfügung. Welches du benötigst, hängt natürlich vor allem davon ab, was du digitalisieren möchtest. Die drei wichtigsten unter ihnen sind:

B2B Components: B2B-Funktionen modular zusammenstellen

Die sogenannten Shopware B2B Components sind hauptverantwortlich für viele Funktionen, die du für ein Self-Service-Portal benötigst. Dazu gehören unter anderem die Verwaltung von Mitarbeitern und Rollen, Organisationseinheiten, Bestellfreigaben, Angebotsmanagement, Einkaufslisten und Schnellbestellungen. Anstatt dabei eine womöglich überdimensionierte Komplettlösung zu installieren, stellst du dir deine benötigten Features wie aus einem Katalog modular zusammen.

Als Beispiel: Im B2B-Store eines Großhändlers mit mehreren Standorten sollen Einkäufer ihre Bestellungen zwar selbst aufgeben können, größere Aufträge müssen dabei aber von einer verantwortlichen Person freigegeben werden. Dafür kannst du die Module Employee Management, Organisation Units und Order Approvals miteinander kombinieren: Employee Management verwaltet die einzelnen Nutzer und ihre Rollen, mit Organisation Units bildest du die unterschiedlichen Standorte und Abteilungen ab und Order Approvals steuert die notwendigen Freigaben. So entsteht aus mehreren einzelnen Funktionen ein durchgängiger B2B-Prozess.

Wichtig: Die Components lösen die alte B2B‑Suite ab. Shopware entwickelt die Suite nicht mehr weiter und setzt für die Weiterentwicklung seiner B2B-Funktionen ausschließlich auf den Components-Ansatz. Wenn du eine B2B-Suite-Installation betreibst und weiterhin von Updates profitieren möchtest, solltest du also prüfen, welche Funktionen, Anpassungen und Schnittstellen du für eine Migration berücksichtigen musst.

Rule Builder: Wenn deine Geschäftsregeln digital werden

Im B2B-Geschäft hängt eine Aktion oft von einer oder mehreren Bedingungen ab: Welcher Kunde bestellt? Zu welcher Kundengruppe gehört er? Wie hoch ist der Bestellwert? Welche Zahlungsart nutzt er? Und welche Konditionen hast du mit ihm vereinbart?

Um solche und ähnliche Wenn-dann-Regeln abzubilden, gibt es den Rule Builder. Er erlaubt es dir, Bedingungen miteinander zu verknüpfen und Vorschriften zu erstellen, die Shopware anschließend an verschiedenen Stellen verwenden kann; beispielsweise für Preise, Rabatte, Versand- und Zahlungsarten oder andere Geschäftslogiken.

Als Beispiel: Deine Großhandelskunden bekommen ab einem Bestellwert von 1.000 EUR einen bestimmten Rabatt. Mit dem Rule Builder kannst du diese Regel zentral definieren, und musst sie nicht für jeden einzelnen Kunden separat hinterlegen. Ändern sich deine Vorgaben später, passt du die Regel einfach an.

Flow Builder: Wenn aus einer Regel ein Prozess werden soll

Während der Rule Builder vor allem die Frage beantwortet: „Unter welchen Bedingungen soll etwas passieren?“, geht der Flow Builder einen Schritt weiter. Denn er liefert die Antworten auf: „Was soll anschließend passieren?“.

Hier kannst du Abläufe automatisieren, die durch bestimmte Ereignisse in deinem Shop ausgelöst werden. Dazu gehören etwa Benachrichtigungen, Statusänderungen oder weitere Aktionen innerhalb von Shopware. Sogar externe Systeme kannst du über entsprechende Schnittstellen in solche Prozesse einbeziehen.

Als Beispiel: Ein Auftrag überschreitet das für einen Kunden festgelegte Bestelllimit. Der Rule Builder fängt das Problem ab (wenn das Bestelllimit zu hoch ist, dann wird der Auftrag nicht abgeschlossen), während der Flow Builder sich um die weiteren Schritte kümmert. Er kann nun etwa eine interne Benachrichtigung auslösen („Bestelllimit überschritten – bitte Kunden XY kontaktieren“) oder einen anderen Prozess anstoßen.

Insgesamt ergänzen sich die drei Werkzeuge also zu einem veritablen Werkzeugkoffer: Die B2B Components liefern die konkreten Funktionen, der Rule Builder bildet deine Geschäftslogik ab und der Flow Builder automatisiert die daraus entstehenden Abläufe.

Für viele B2B-Szenarien reicht das bereits weit – aber eben nicht für jedes …

Mehr als Standard: individuelle Shopware-Lösungen für komplexe Produkte

B2B ist selten von der Stange, denn in den meisten Unternehmen haben sich die Abläufe über Jahre entwickelt: Produkte werden nach individuellen Kriterien zusammengestellt, bestimmte Kunden erhalten spezielle Konditionen und manche Bestellungen folgen ihren ganz eigenen Regeln. Ein Self-Service-Portal muss sich deshalb an die Prozesse des Unternehmens anpassen, nicht umgekehrt.

Shopware liefert dafür die nötigen Grundlagen – aber wenn die Standardfunktionen an ihre Grenzen stoßen, lässt sich der Shop zusätzlich individuell erweitern, um komplexe B2B-Anforderungen abzubilden.

Denke zum Beispiel an Features wie:

  • Produktkonfiguratoren: Wenn Kunden Produkte anhand bestimmter Eigenschaften, Maße oder Anforderungen zusammenstellen müssen, führt ein Konfigurator sie durch die notwendigen Auswahlmöglichkeiten.
  • Kompatibilitätsprüfungen: Bei technischen Produkten passt nicht jedes Teil zu jeder Maschine. Eine individuelle Logik prüft, welche Komponenten miteinander kompatibel sind, und schließt ungeeignete Kombinationen aus.
  • Maschinen- und Seriennummernsuche: Statt sich durch ein riesiges Sortiment zu arbeiten, kann ein Kunde direkt nach seiner Maschinen- oder Seriennummer suchen und sich die dafür passenden Ersatzteile anzeigen lassen.
  • Intelligente Suchlösungen: Bei sehr großen oder komplexen Sortimenten kann eine spezialisierte Suchtechnologie die Produktsuche ergänzen und etwa technische Merkmale oder Synonyme berücksichtigen.

Lesetipp: Deep Search powered by Nosto meets Shopware – Wir zeigen dir, wie sich das Tool von einer Standardsuche unterscheidet und wie du es für dein Unternehmen einsetzen kannst.

  • Kundenspezifische Dashboards: Je nach Kunde, Rolle oder Organisationseinheit können im Kundenkonto unterschiedliche Kennzahlen, Bestellungen, Budgets oder andere Informationen angezeigt werden.
  • Individuelle Dokumentenbereiche: Technische Zeichnungen, Zertifikate, Preislisten oder andere Unterlagen lassen sich gezielt für bestimmte Kunden oder Organisationen bereitstellen.
  • RMA- und Reklamationsprozesse: Auch Retouren, Reklamationen oder Reparaturanfragen können direkt ins Portal integriert werden, sodass Kunden Vorgänge selbst anlegen und ihren Status verfolgen können.
  • Punchout- und EDI-Anbindungen: Wenn Kunden ihre Einkäufe über eigene Einkaufssysteme abwickeln, lassen sich auch solche Anforderungen in die digitale B2B-Lösung integrieren.

Lesetipp: OCI PunchOut auf Shopware – Wie die Technologie Medienbrüche vermeidet und warum sie schnell zum Must-Have für den Großhandel wird.

RDM PARTS: Ersatzteile finden statt Artikelnummern suchen

Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, zeigt sich gut bei RDM PARTS. Das Unternehmen bietet Ersatzteile für Maschinen für Golfplätze und öffentliche Grünanlagen. Und wie du dir vermutlich denken kannst, bestehen solche Maschinen nicht nur aus unzähligen Bauteilen; es ist auch alles andere als einfach, das richtige Ersatzteil zu identifizieren und korrekt zu benennen.

Daher sieht der Ersatzteilkauf bei RDM PARTS so aus:

  1. Der Kunde meldet sich in seinem Shopware-Konto an.
  2. Er sieht sein freigegebenes Sortiment und seine individuellen Konditionen.
  3. Er wählt die passende Maschine, das Modell oder die Seriennummer aus.
  4. Und jetzt kommt der Clou: Eine interaktive Explosionszeichnung zeigt exakt die einzelnen verbauten Komponenten. Anders als bei einer nichtssagenden Artikelliste lässt sich das benötigte Bauteil anhand seiner Position in der Maschine und der grafischen Darstellung identifizieren. Der Kunde muss dafür weder die Artikelnummer noch die Fachbezeichnung des Ersatzteils kennen noch mit der Maschine auch nur besonders gut vertraut sein.
  5. Das ausgewählte Ersatzteil wird dem passenden Shopware-Produkt zugeordnet.
  6. Shopware zeigt Preis, Bestand und Lieferzeit.
  7. Der Kunde legt das Ersatzteil in den Warenkorb oder fragt ein individuelles Angebot an.
  8. Der Auftrag wird an das ERP übergeben, wo die weiteren Prozesse angestoßen werden.

Der Shop bildet also nicht einfach nur einen digitalen Bestellprozess ab, sondern löst ein ganz konkretes Problem, das in dieser Form längst nicht in jeder Branche auftaucht. Die komplexe Produktsuche wird zu einem geführten Prozess – und genau dadurch wird aus einer schwierigen Aufgabe ein echter Self-Service.

ERP, PIM und CRM: Wie wird Shopware Teil deiner B2B-Architektur?

Aber Moment mal: Fehlt da nicht noch etwas?

Richtig. Shopware bildet in einer umfassenden B2B-Landschaft vor allem den Commerce-Bereich ab. Im Hintergrund arbeiten weitere Systeme, die sich um Kunden-, Produkt- und Auftragsdaten kümmern. Damit aus dem kompletten Setup ein durchgängiger Self-Service entsteht, müssen ERP, PIM und Co. auch zusammenspielen.

Lesetipp: Shopware in SAP integrieren – Wie es funktioniert und warum IDocs dabei oft eine wichtige Rolle spielen.

Entscheidend ist dabei nicht nur, welches System für welche Daten führend ist, wie häufig Informationen synchronisiert und welche Daten in Echtzeit benötigt werden – gleichzeitig müssen auch sämtliche Schnittstellen so konzipiert werden, dass Fehler möglichst vermieden werden.

Um dir einen Überblick zu geben:

 Schnittstellen sind also keine technischen Details, die erst bei der Umsetzung hinzukommen, denn sie bestimmen wesentlich, wie zuverlässig der spätere Self-Service funktioniert. Welche Informationen wann und wie zwischen diesen Systemen ausgetauscht werden, gehört deshalb bereits in die Konzeptionsphase eines B2B‑Portals. Und das führt uns zu …

Wie setzt Strix ein Shopware-B2B-Self-Service-Projekt um?

Wenn bei der Konzeption also bereits so viele Faktoren zusammenspielen, dann steht als nächste Frage im Raum: Wie geht man ein solches Projekt eigentlich sinnvoll an?

Die ehrliche Antwort: Ein Patentrezept für das perfekte B2B-Self-Service-Portal gibt es nicht. Schließlich unterscheiden sich Produkte, Prozesse, Systeme und Kundenstrukturen von Unternehmen zu Unternehmen.

Aber wir zeigen dir trotzdem gerne, wie wir solche Projekte angehen – und warum wir genau so arbeiten, wie wir es tun.

1. Prozesse aufnehmen

Bevor wir auch nur ein Wort über Shopware, B2B Components oder individuelle Funktionen verlieren, schauen wir uns die bestehenden Abläufe an. Welche Bestellungen werden heute manuell bearbeitet? Wo entstehen Rückfragen? Welche Vorgänge kosten besonders viel Zeit und wo passieren immer wieder Fehler?

Dabei dokumentieren wir die relevanten Prozesse und betrachten Häufigkeit, Aufwand und mögliche Fehlerquellen. So entsteht eine belastbare Grundlage für die weitere Planung. Denn ein schlechter Prozess wird nicht dadurch besser, dass er digital abläuft.

2. Shopware-Fit-Gap-Analyse durchführen

Im nächsten Schritt prüfen wir, welche Anforderungen sich mit Shopware-Bordmitteln abbilden lassen und wo individuelle Lösungen notwendig werden. Wir schauen unter anderem auf:

  • Was decken die B2B Components ab?
  • Was lässt sich konfigurieren?
  • Welche Prozesse benötigen eine Erweiterung?
  • Welche bestehenden Lösungen und Anpassungen müssen migriert werden?

Wo Shopware eine Anforderung bereits sinnvoll abdeckt, nutzen wir den Standard. Wo die Plattform an ihre Grenzen stößt, entwickeln wir gezielt weiter.

3. Systemarchitektur festlegen

Jetzt wird aus den Anforderungen und der Fit-Gap-Analyse ein konkretes technisches Konzept. Wir legen fest, welche Aufgaben Shopware übernimmt, welche Rolle ERP, PIM und CRM spielen und welche weiteren Drittsysteme angebunden werden müssen.

Dabei behalten wir nicht nur den aktuellen Anwendungsfall im Blick, sondern auch die weitere Entwicklung des Portals. Die Architektur sollte neue Funktionen und wachsende Anforderungen ermöglichen, ohne dass bei jeder Erweiterung das gesamte Setup neu gedacht werden muss.

4. MVP priorisieren

Ein Self-Service-Portal muss nicht am ersten Tag jeden denkbaren Prozess abbilden. Deshalb priorisieren wir gemeinsam die Funktionen, die den größten Kunden- und Prozessnutzen bringen.

Ein möglicher MVP kann beispielsweise mit folgenden Funktionen starten:

  • individuelle Anmeldung
  • kundenspezifische Preise
  • Schnellbestellung
  • Einkaufslisten
  • Bestellhistorie
  • Auftragsstatus
  • ERP-Anbindung

Weitere Funktionen lassen sich anschließend schrittweise ergänzen. So wird das Portal früh nutzbar, statt monatelang auf den perfekten Endzustand hinzuarbeiten.

5. UX mit echten Kunden testen

Ein Prozess kann auf dem Papier perfekt aussehen und in der Praxis trotzdem unnötig kompliziert sein. Deshalb beziehen wir die Menschen ein, die später tatsächlich mit dem Portal arbeiten: Einkäufer, Händler und Vertriebsmitarbeitende.

Durch Prototyping und Tests lässt sich früh erkennen, wo Nutzer hängen bleiben, welche Informationen fehlen und welche Abläufe intuitiver gestaltet werden müssen. Das hilft nicht nur der Usability, sondern auch dabei, die fachlichen Anforderungen aus der Praxis zu überprüfen.

6. Pilotkunden anbinden

Anschließend geht das Portal mit ausgewählten Kunden in den Feldtest. Dabei zeigt sich, ob die Prozesse auch unter realen Bedingungen funktionieren: mit echten Bestellungen, echten Kundendaten und den individuellen Anforderungen der jeweiligen Unternehmen.

Die Erfahrungen aus dieser Pilotphase fließen direkt in die weitere Entwicklung ein. So lassen sich Schwachstellen beheben, bevor neue Funktionen auf die gesamte Kundenbasis ausgerollt werden.

7. Menschen mitnehmen

Ein neues Self-Service-Portal verändert nicht nur technische Prozesse. Es verändert auch die tägliche Arbeit der Menschen im Unternehmen. Deshalb gehört es für uns dazu, die Beteiligten früh einzubeziehen und verständlich zu machen, welche Aufgaben das Portal übernimmt und welche bewusst beim Menschen bleiben.

Gerade für den Vertrieb ist das wichtig: Ein Self-Service-Portal soll nicht die persönliche Betreuung ersetzen. Vor allem Standardbestellungen laufen in Zukunft selbstständig, während individuelle Angebote, Preiswünsche, Rückfragen oder beratungsintensive Käufe weiterhin gemeinsam mit Vertriebsmitarbeitenden bearbeitet werden. Gleichzeitig schaffen Kundendaten und Bestellhistorien eine bessere Grundlage für die persönliche Beratung.

Denn merke: Shopware ersetzt nicht den Vertrieb. Shopware ersetzt den Medienbruch zwischen Kunde, Händler und internen Systemen.

8. Automatisierung erweitern

Ist der erste Prozess erfolgreich digitalisiert, kann das Portal Schritt für Schritt wachsen. Weitere B2B Components, Rule-Builder-Regeln, Flow-Builder-Abläufe und individuelle Funktionen lassen sich ergänzen, wenn dafür ein konkreter Bedarf besteht.

So entsteht kein überladenes Konstrukt, das von Anfang an jeden Sonderfall abbilden soll, sondern eine B2B-Lösung, die mit den Anforderungen des Unternehmens und seiner Kunden wächst.

Welche KPIs zeigen den Erfolg eines B2B-Portals?

Wenn das B2B-Portal dann steht, bleibt – neben Weiterentwicklung und Bugfixing – eigentlich nur noch eines zu tun: seinen Erfolg zu überwachen. Schließlich willst du erkennen, wo noch Handlungsbedarf besteht, neue Ideen für die Weiterentwicklung gewinnen oder dich einfach über gute Zahlen freuen.

In der Praxis haben sich dafür verschiedene KPIs bewährt:

  • Anteil der über Shopware eingehenden B2B-Bestellungen
  • Nutzung der Schnellbestellung
  • Zahl aktiver Einkaufslisten
  • Anteil digitaler Angebotsanfragen
  • Zeit von der Angebotsanfrage bis zur Bestellung
  • Zahl automatisch verarbeiteter Aufträge
  • Rückgang manueller Auftragserfassung
  • Rückgang von Preis-, Status- und Beleganfragen
  • Fehlerquote bei Bestellungen
  • Wiederbestellrate
  • Aktive Nutzer pro Geschäftskundenkonto
  • Umsatzanteil des B2B-Portals

Aber bitte nie vergessen: Es geht hier nicht darum, möglichst viele KPIs zu sammeln. Welche Kennzahlen für dich relevant sind, hängt von deinem Geschäftsmodell und den Zielen des Projekts ab. Entscheidend sind vor allem die richtigen Fragen: Nehmen Kunden das Portal an? Werden Prozesse tatsächlich einfacher? Und entsteht dadurch der erwartete Nutzen für Unternehmen und Kunden?

B2B Self-Service mit Shopware: Prozesse denken & digitalisieren

Wir halten also fest: Ein B2B-Self-Service-Portal ist mehr als ein Online-Shop mit Login. Shopware bringt viele wichtige Funktionen bereits mit – von B2B Components über Regel- und Prozessautomatisierung bis hin zu individuellen Erweiterungen. Entscheidend ist aber, wie diese Möglichkeiten zu den tatsächlichen Prozessen des Unternehmens passen und mit ERP, PIM, CRM und weiteren Systemen zusammenspielen.

Genau an dieser Stelle setzt unsere Arbeit an: Wir schauen nicht nur darauf, was technisch möglich ist, sondern auch darauf, welche Lösung zu deinen Prozessen, deinen Kunden und deiner Systemlandschaft passt. Wenn du sehen möchtest, wie wir all das in der Praxis umsetzen, stehen auf unserer Shopware-Partner-Seite konkrete Beispiele für dich bereit.

Solltest du dein digitales B2B-Geschäft darüber hinaus weiterentwickeln wollen, lohnt sich außerdem ein Blick auf unsere weiteren Leistungen. Dort findest du mehr Informationen darüber, wie wir Unternehmen bei der Konzeption, Entwicklung und Optimierung digitaler Lösungen unterstützen.

Was bleibt zuletzt? Vielleicht noch der stille Wunsch, dass auch Mitarbeitende unserer Ämter diesen Beitrag lesen. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

 

FAQ: B2B-Self-Service mit Shopware

Was ist der Unterschied zwischen einem B2B-Shop und einem B2B-Self-Service-Portal?

Ein B2B-Shop digitalisiert vor allem den Bestellprozess. Ein B2B-Self-Service-Portal geht deutlich weiter und ermöglicht Kunden beispielsweise, Mitarbeiter und Berechtigungen zu verwalten, Bestellungen freizugeben, Budgets zu kontrollieren oder Angebote und Dokumente selbst abzurufen.

Welche B2B-Funktionen bietet Shopware standardmäßig?

Shopware bietet mit den B2B Components zahlreiche Funktionen für typische B2B-Prozesse, darunter Mitarbeiter- und Organisationsverwaltung, Bestellfreigaben, Angebotsmanagement, Einkaufslisten und Schnellbestellungen. Rule Builder und Flow Builder ermöglichen zusätzlich individuelle Geschäftsregeln und weitere Prozessautomatisierung.

Reichen die B2B Components für jedes Self-Service-Portal aus?

Nein, denn Unternehmen besitzen häufig individuelle Vorgänge, gewachsene Strukturen und/oder komplexe Produkte. Wenn die Standardfunktionen nicht ausreichen, lässt sich Shopware beispielsweise um Produktkonfiguratoren, Kompatibilitätsprüfungen, individuelle Suchlösungen oder kundenspezifische Dashboards erweitern.

Kann ein B2B-Self-Service-Portal ERP, PIM und CRM anbinden?

Ja – und das sollte immer auch im Pflichtenheft stehen. Shopware bildet im Setup lediglich die Commerce-Schicht ab und lässt sich über Schnittstellen mit ERP-, PIM-, CRM- sowie weiteren Drittsystemen verbinden. Welche Daten ausgetauscht werden und welches System jeweils führend ist, hängt von der individuellen Systemlandschaft ab.

Ersetzt ein B2B-Self-Service-Portal den Vertrieb?

Nein. Ein Self-Service-Portal übernimmt vor allem standardisierte Prozesse, während der Vertrieb sich weiterhin um persönliche Beratung, individuelle Angebote, Preisverhandlungen und komplexe Kundenanforderungen kümmern kann. Self-Service schafft damit mehr Freiraum für die Aufgaben, bei denen persönliche Betreuung gefragt ist.

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